Drei Grüne Politikerinnen besuchen RaBE

Der 6. Juni war ein heißer Tag mit strahlendem Sonnenschein – für die Menschen, die Strom von ihrem Dach nutzen, ist an einem solchen Tag klar: heute werden Spül- und Waschmaschine vollgeräumt und angeschaltet, ein Kuchen gebacken, ein Auflauf in den Backofen geschoben ... denn der Strom wird direkt von der Sonne geliefert, er nimmt den kürzesten Weg direkt an die Verbrauchsstellen, braucht keine riesigen Stromtrassen, um ins Haus zu gelangen . Der sog. Autarkiegrad,  also der Grad der Unabhängigkeit von der Stromlieferung von außen aus dem Stromnetz, kann an solchen Tagen über 90 % betragen (bei uns zu Hause waren es an diesem Tag 95%) !

Den Strom an diesen Tagen zu  verbrauchen vermittelt  auch das gute Gefühl, mit unseren alltäglichen Gewohnheiten das Klima nur wenig zu belasten. Denn es ist „sauberer“ Strom mit einer niedrigen CO2-Bilanz, den wir nutzen. Eigentlich könnte alles einfach und  gleichzeitig sinnvoller und damit besser sein - dies zu erreichen ist eines der wichtigsten Ziele  unserer Genossenschaft. 

Immerhin hat es sich im Gedächtnis von Irene Alt eingeprägt, dass Wackernheim (bezogen auf seine Einwohnerzahl) inzwischen die größte Dichte an Elektroautos hat und das Elektroauto-Carsharing unserer Genossenschaft Vorbildcharakter hat – was möglicherweise mit ein Grund war, dass  RaBE in Wackernheim von drei etablierten Politikerinnen  an besagtem 6. Juni besucht wurde.  Außer Irene Alt, ehemalige rheinlandpfälzische Ministerin,  kamen die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner und die Landtagsabgeordnete Pia Schellhammer, um sich über die Projekte unserer Genossenschaft zu informieren.

Der Besuch startete zunächst mit einer gemeinsamen Fahrt in unserem RaBE-Mobil – vier Frauen im Elektroauto, verfolgt von einem AZ-Berichterstatter im Benziner – , führte an vier Photovoltaik-Anlagen vorbei, die die Genossenschaft auf den Dächern von Mitgliedern  betreibt und endete im Mitz’schen Garten, den wir als Mieter zum Anbau für Obst und Gemüse mit nutzen können.  Das war für die Besucherinnen ein etwas verblüffender Wechsel, von den Dächern auf die Erde, von der Technik  in den naturbelassenen Hausgarten, von Fakten und Zahlen zum Schauen und Staunen, aus der Hitze des RaBE-Mobils (die Klimaanlage des ION hatte ich nicht eingeschaltet) an kühle schattige Stellen im Grünen.....

Damit die Energiewende gelingen kann, sind auch solche scheinbar banalen Erfahrungen wie ein schattiger und ertragreicher Garten unverzichtbar. Denn es sind Erfahrungen, die  ebenfalls eng mit unserem Lebensstil zusammenhängen und uns fordern. Denn die Energiewende ist durch eine Wende zu „grünen“ Technologien allein nicht zu erreichen.  Wie entsteht ökologisches Bewußtsein? Nicht allein durch die Lektüre von Büchern und Faktenwissen, die PV-Anlage oder das Elektroauto, sondern auch durch das Wahrnehmen und Nachdenken über unsere Beziehung zu unserer Umwelt.

Eine der Besucherinnen erinnerte sich plötzlich begeistert, aber auch etwas wehmütig, an den Garten ihrer Mutter auf dem Dorf ... manche mögen das als Vergangenheits-romantik abtun, für andere, auch für mich, ist die in vielen Bereichen verloren gegangene Beziehung zu unserer natürlichen Umwelt  als Basis und Voraussetzung unseres eigenen Lebens brandaktuell. Diese Thematik konnten wir leider nicht weiter vertiefen, denn im engen Zeitplan war kein Raum für nachdenkliches Innehalten vorgesehen. Der Austausch darüber, wie sich bei jeder von uns ökologische Bewußtsein entwickelt hat und wie wir es umsetzen und leben, wäre sicherlich spannend gewesen. Aber die Fahrt ging weiter zum Dorfplatz  und endete in der Sitzecke des Dorfcafes. Dort gab es nochmals einen regen Austausch zwischen den grünen Politikerinnen und Vorstand und Aufsichtsrat von RaBE, in dem auch die politischen Verzögerungen, Mängel und Hürden für  einen  erfolgreichen Klimaschutz zur Sprache kamen. Denn das beeinflußt auch die Arbeit unserer Genossenschaft  erheblich und die politischen Rahmenbedingungen verhindern noch immer, dass die Menschen von der Energiewende direkt erfahrbar einen Nutzen haben.  Denn Bürgerenergiegenossen-schaften brauchen politische Rahmenbedingungen, um erfolgreich arbeiten zu können und die Menschen brauchen positive Anreize, um  die   Energiewende zu ihrer Sache zu machen.

Deswegen freut es uns, wenn sich  Politiker*innen der etablierten Parteien für  unsere Genossenschaft interessierten und weitere aktiv auf uns zu kämen – Klimaschutz ist für uns alle  existenziell wichtig und in den Wahlprogrammen fast aller Parteien ist der Klimaschutz immerhin als Ziel benannt.